Begegnung mit der Vorzeit: Capocorp Vell

IMG_3693Bei Strand, Sonne und Meer vergisst man leicht, dass Mallorca auch eine eigene Kultur und eine in die Jahrtausende zurückreichende Vergangenheit aufweist. Erst ein Ausflug ins Hinterland der Insel macht wieder deutlich, wo die Wurzeln des Ferienparadieses im Mittelmeer liegen. Solch ein Ausflug könnte zum Beispiel über die Ma-6014 an der Küste entlangführen, mit weitem Blick übers Meer von den hohen Klippenrücken des Cap Blanc. Wenige Kilometer nachdem sich die stille Landstraße ins Landesinnere windet, stößt man – nach zwei scharfen Kurven – auf der linken Seite auf ein Hinweisschild. Eine im Stile von Fred Feuerstein rustikal in Holz gebrannte Inschrift macht auf die Talayot-Siedlung „Capocorp Vell„ aufmerksam. Ein überschaubarer Parkplatz am Wegesrand und ein Getränke-Kiosk sind dann die ersten Eindrücke bei der Begegnung mit den mallorquinischen Ursprüngen.

 

Die Ruinen von Capocorp Vell zählen an die 3.000 Jahre. Damit trennen uns heute gut 120 Generationen von jenen Menschen, die fast eintausend Jahre lang auf der hoch gelegenen Ebene der Migjorn gelebt haben. Dort liegen unter der sengenden Sonne Mallorcas insgesamt fünf „Talaiots“, so nennen sich die aus groben Steinblöcken gefügten Türme. Zwei diese Türme waren viereckige, drei weitere wiesen einen runden Querschnitt auf. Auch die Grundrisse von insgesamt 28 Räumen haben die Jahrtausende überdauert. Die eigentliche Siedlung dehnte sich einst weiter in Richtung Nordosten aus und wurde erstmals von den Archäologen L.Ch. Watelin aus Frankreich und Albert Mayr aus Deutschland erforscht. Die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen führte jedoch der namhafte Archäologe Josep Colominas Roca zwischen 1910 und 1920 durch.

Neue Untersuchungen gegen davon aus, dass es sich bei den steinernen Spuren der Siedlungen sehr wahrscheinlich nicht um die eigentlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäude handelte. Die Hütten und Ställe befanden sich vielmehr außerhalb der heute noch sichtbaren Anlage. Das Capocorp wie man es jetzt sieht, stellt lediglich den gemeinschaftlichen Anteil für eine Menschengruppe von vielleicht 500 bis 700 Individuen dar, die hier Kulthandlungen und Festakte vollzogen. Die Behausungen der Bewohner haben dem Ansturm der Jahrhunderte nicht standgehalten.

Carretera MA-6014, Km 23
Llucmajor, Mallorca

 

Übersicht der Anlage aus dem Westen

Einer der 4 quadratischen Türme