Ramon Llull und die Höhle des Heiligen

IMG_3057Was Buddha Gautama für viele Inder, ist Ramon Llull (1232 – 1316) für die Mallorquiner: Erleuchteter, Heilsbringer, unser Mann auf dem rechten Weg und ein Vorbild für alle.

Dabei soll er ja ursprünglich eher ein echter Raufbold und Frauenheld gewesen sein, der Ramon. Bei Saufgelagen in den Kneipen der Innenstadt von Palma fiel er schon als junger Mann unangenehm auf. In Schlägereien war er verwickelt und so manches Fräulein am Hofe des mallorquinischen Königs Jaume I. soll seinem unwiderstehlichen Charme zum Opfer gefallen sein. Das muss so um das Jahr 1255 gewesen sein.

Der König sah galant über solche Verfehlungen hinweg, denn er erkannte die Talente des jungen Llull und und war so tief von dessen bestechender Intelligenz beeindruckt, dass er den Lebemann seinem Sohn Jaume II. als persönlicher Berater zur Seite stellte. Am Hofe absolvierte der selbst aus einer Adelslinie in Barcelona stammende Ramon Llull eine steile Karriere.

Seine Transformation zum geläuterten Heiligen gibt es gleich in mehreren Varianten. Einige Quellen erzählen von einer wunderschönen Maid aus Palma, in die er sich verguckte. Als er sich ihr dann erklärte, zeigte sie ihm ihren von Krankheit zerfressenen Körper. Zu tiefst schockiert ging der Galán in Klausur.

Konservativere Quellen berichten dagegen von fünf Jesus-Erscheinungen, die dem Träumer an fünf aufeinander folgenden Nächten beeindruckten. Auch in dieser Version begann er nach dem einschneidenden Ereignis ein neues Leben und studierte über neun Jahre lang christliche Theologie. Schließlich komplettierte er seine Ausbildung – nachdem er bei einem muslemischen Sklaven die arabische Sprache erlernt hatte, mit dem Studium arabischer Schriften und nahöstlicher Philosophie.

Um das Jahr 1275 zog sich Ramon Llull in die Erhebungen im Norden von Llucmajor zurück. Der Rückzug in die Felsnische an der Südflanke des Berges von Randa veränderte den einstigen Bonvivant zutiefst.

 

Die Enklave am Puig de Randa ist heute nahezu vergessen. Nur wenige alte Mallorquiner kennen die genaue Stelle an dem Ramon Llull, der wohl wichtigste Poet, Philosoph und Mystiker Mallorcas, schließlich seine Erleuchtung gefunden haben soll.

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